Das war´s dann wieder

Das Jahr ist kalendarisch ziemlich durch. Es hat in der vorab erwarteten Arschlochigkeit wirklich alle Register gezogen und sich diesbezüglich so richtig reingehängt. Die Menschheit hat das in den letzten Jahrzehnten etwas versteckt betriebene Faschismus-Hobby wieder entdeckt und lebt das jetzt zunehmend ungenierter aus. Der Planet wird mitsamt des Klimas gefickt und alle mühsam erkämpften sozialen, ökologischen und humanitären Errungenschaften der letzten Jahrzehnte werden abgewickelt. Ich hab früher nie verstehen können, wie die Hochkulturen der Antike und des Mittelalters überall auf der Welt einfach so verschwinden konnten. Inzwischen habe ich da recht klare Ideen und bin zunehmend überzeugt, dass die Menschheit insgesamt ihre Überlebensberechtigung verwirkt hat.

 

Puh, was ein ermutigender Einstieg! Hilft ja nüscht, ich hab dennoch die Kamera(s) benutzt, um bunte Bilder zu fertigen. Weniger als im Durchschnitt der Vorjahre, aber immer noch genug, um mit dem Sortieren und Bearbeiten nicht fertig zu werden. Und ich bin mir sicher, dass es nicht an mir lag: DAS WETTER IST SCHULD (gewesen)! Außer im Frühling, da war alles noch gut. Da hab ich wie immer Auroras und Blumen fotografiert und die Blausterne erstmals mit der untergehenden Sonne erwischen können. Das war gut. Schneeglöckchen und Schlüsselblumen sind vom Ergebnis eher so mittel, aber nicht schlecht. Gefrostete Blausterne gab es nicht so schön, wie früher mal.

 

Und vor dem Frühling, noch im Winter, da war ich ja tatsächlich mal mit Kamera draußen. In Norwegen, zum Jahreswechsel. Mit Eis und Schnee und Polarlicht und kalt und Wind und ohne Moschusochsen. Weil, gab ja kein Hitzegeflimmer auf den Bildern, wozu braucht man da Moschusochsen?

Im späteren Frühjahr fuhr ich nach Sardinien, schon wieder. Letztes Jahr lief das ja nur suboptimal, wegen des Wetters und der Gegend. Dieses Mal lief das nur suboptimal wegen des Wetters und der - ach, egal. Das Wetter war insgesamt besser, aber teilweise etwas zu regnerisch. Dafür blieb mir der Sahara-Staub erspart. Die Gegend an der Westküste war prinzipiell lohnender, auch die Zeit passte besser. Mich nervte aber die elendige Fahrerei jeden Tag, weil ich in direkter Umgebung des Campingplatzes nichts lohnendes in Fahrradentfernung hatte. Aber ich fand mehr Orchideen als im Vorjahr und die Orchideen waren ja das Ziel. Das Nebenziel Schmetterlinge ließ sich hingegen nicht verwirklichen. Oder fast nicht.

Anfang Mai, zurück zu Hause, erwischte ich einen noch fast hübschen Schwalbenschwanz am Damm in nicht nur fast hübschem Licht. Sonst sah das auf den Wiesen zu der Zeit verheerend aus, was Schmetterlinge anging.

Dann war Wiesenpflege angesagt und ohnehin keine Zeit zum Fotografieren und nach der oder parallel zur Arbeit musste die epische Skandinavien-Tour vorbereitet werden. Und eigentlich könnte ich hier dann auch aufhören, weil danach nichts mehr passierte. Eigentlich wie immer. Außer, dass ich nicht jedes Jahr eine epische Skandinavientour unternehme. Daher mach ich das doch nochmals etwas ausführlicher. Pfingsten ging´s los nach Schweden, Maivogel suchen, bei Dauerregen und Kälte: Hat geklappt, klarte kurz auf und ward etwas sonnig. Den Goldenen Scheckenfalter und auch den Gold-Dickkopf gab´s als Zugabe.

Weiter nach Mittelschweden zu den Blauschillernden Feuerfaltern: Positiv anzumerken wäre, dass sie anwesend waren. Negativ ließe sich feststellen, sie waren schlecht gelaunt und nicht mehr wirklich frisch. Ersatzprogramm verblühende Norne und der schönste Frauenschuh-Standort, den ich bislang kennenlernen konnte. Wetter: Warm und sonnig, die Mücken waren entsprechend gut drauf.

Und dann wurde es irgendwie so ganz anders, als ich es vorhersah. Nämlich kalt und nass. Und das so ziemlich dauerhaft mit eher kurzen trockenen Unterbrechungen. Die Landschaft ist zwar auch ohne Licht grandios, allerdings wären es die Fotos davon nicht geworden. Also nicht mal so mittel. Daher hab ich das auch meistens gelassen. Bis Nikkaluokta zumindest. Da hab ich wenigstens den Fluss fotografiert und das Elchkackmoos. Schnee auf´m Berg verkürzte die Wanderung und Kälte verhinderte das Fotografieren von Schmetterlingen. Aber massig Vögel gab´s da zumindest zu hören. Und ab und an auch zu sehen.

Vom kurzen Zwischenaufenthalt in Kilpisjärvi gibt es positiv zu berichten, dass es nicht regnete und die Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes lagen. In der Stadt saß ein Schneehase vor einer Garageneinfahrt, Orchideen und Schmetterlinge glänzten hingegen durch Abwesenheit. Und insgesamt war es recht voll, weil Midsommar und irgendwie wohl alle gerade Zeit hatten, auf den Berg zu krabbeln. In Norwegen war zwar das Wetter danach nicht grundlegend besser, dafür fand ich aber endlich Schmetterlinge. Und einen sehr hübschen Canyon. Und einen Bach. Und blühenden Hartriegel. Und Rentiere. Jede Menge Rentiere sogar. 

Auf der Rücktour durch Finnland passierte dann im Wesentlichen das Gleiche, wie auf der Hintour. Es war kalt und regnerisch, nur die Mückendichte war deutlich höher. Was ein Spaß! Ich konnte noch gelegentlich Schmetterlinge finden, die Landschaft war super und ganz zum Schluss gab´s on top noch Apollos in Turku und auf Åland und an Schwedens Ostküste. Schönschönschön.

Und der Rest vom Jahr? Nüscht. Also doch, die eine hübsche Gottesanbeterin im Garten und die üblichen Ameisenbläulinge auf der Pflegefläche, die aber noch nicht einmal auf die Festplatte geladen sind. Ein eher sinnloser Versuch mit Pilzen fand auch noch statt. Und das schöne Festival in Wissembourg sowie die irgendwie merkwürdige Austellung in Rastatt.

 

Was hat nicht geklappt?

 

Die Falter-Wunschliste aus der Arktis auch nur annähernd abzuarbeiten, mehr Landschaft zu fotografieren, wenn es schon mal Landschaft gibt und den Großen Eisvogel wieder zu finden.

 

Ausblick?

 

Hmm. Noch mal Sardinien, die finale Tour mit gutem Licht und perfekten Bedingungen? Eher nicht. Also nicht nächstes Jahr. Irgendwas mit Orchideen aber bestimmt. Vielleicht mal wieder die Provence oder (schon wieder) das Massif Central. Da im Aveyron war doch noch die Stelle mit den ganzen Ragwurz-Hybriden, die ich noch mal besuchen wollte. Und im Sommer, falls es nicht wieder zu heiß wird, die Apollos in Spanien. Falls es zu heiß wird, könnte ich mir Nordnorwegen als Ausweichziel vorstellen. Einfach so, zum Wandern. Bilder hab ich an sich genug, die ich sortieren müsste. Wäre nicht schlimm, wenn nicht so viel neues dazu käme. Und falls nicht so viel neues dazu käme, würde ich mich trotzdem genau darüber ärgern, im nächsten Jahresrückblick. Das Fotografieren hier zu Hause nervt eher, weil eh alles tot ist. Macht einfach keinen Spaß und wird wohl nicht mehr besser.

 

Nun denn: Das war´s jetzt dann aber wirklich, weil ich ja im Winter ohnehin nicht fotografiere. Kommt gut in´s neue Jahr, das mit Sicherheit ein ganz neues Scheußlichkeitslevel freischalten wird. Kann ich mir nicht anders vorstellen.

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